Wolfgang Gust (9. April 1935-11. Juni 2026) war ein streitbarer und engagierter  deutscher Journalist und Buchautor. Nach seinem Studium der Romanistik arbeitete er von 1965 bis 1993 als Redakteur und Ressortleiter beim Nachrichtenmagazin Der Spiegel. Der Erste Karabachkrieg (1991-1994) lenkte seine Aufmerksamkeit auf das Schicksal der Armenier: 1992 veröffentlichte Gust als Redakteur im Serienressort seine dreiteilige Serie Bergkarabach und der Völkermord. Ab 1993 arbeitete er als freier Publizist und Autor. Im selben Jahr erschien seine erste Monographie zum Genozid an den Armeniern (Der Völkermord an den Armeniern: Die Tragödie des ältesten Christenvolkes der Welt) im Hanser Verlag.

Gust prüfte die 1919 durch den evangelischen Theologen Johannes Lepsius herausgegebenen Akten des deutschen Auswärtigen Amts und stellte fest, dass in vielen Dokumenten durch Auslassungen und willkürliche Textänderungen (Gust: „Fälschungen“) vor allem die deutsche Mitverantwortung am Völkermord an den Armeniern vertuscht worden war. Er publizierte in Zusammenarbeit mit seiner Frau, der Juristin Sigrid Gust, im März 2000 den Wortlaut der fraglichen Akten samt englischer Übersetzung sowie die einzelnen Manipulationen im Internet. Drei Jahre später veröffentlichte er im selben Portal Hunderte zusätzlicher deutscher Archivalien aus dem Archiv des Deutschen Auswärtigen Amtes. Eine Auswahl der wichtigsten Dokumente W. Gust 2005 in der Sammlung Der Völkermord an den Armeniern 1915/16: Dokumente aus dem Politischen Archiv des deutschen Auswärtigen Amtes heraus. Eine englischsprachige Ausgabe, die 2014 bei Berghahn (Oxford), erschien, machte die Quellenedition auch für die  internationale Leserschaft zugänglich. Für seine publizistischen Leistungen bei der Aufarbeitung und Anerkennung des Genozids wurde Wolfgang Gust mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt, darunter der Sonderpreis des Präsidenten der Republik Armenien (2012) und der hohe Orden des Heiligen Grigor von Narek, der von der armenisch-apostolischen Kirche verliehen wird.

Wir danken Wolfgang Gust auch für seine tatkräftige Unterstützung bei der Petition um die legislative Anerkennung des osmanischen Genozids, die die Arbeitsgruppe Anerkennung -Gegen Genozid, für Völkerverständigung im April 2000 beim Petitionsausschuss des Deutschen Bundestags einreichte.