
Gust prüfte die 1919 durch den evangelischen Theologen Johannes Lepsius herausgegebenen Akten des deutschen Auswärtigen Amts und stellte fest, dass in vielen Dokumenten durch Auslassungen und willkürliche Textänderungen (Gust: „Fälschungen“) vor allem die deutsche Mitverantwortung am Völkermord an den Armeniern vertuscht worden war. Er publizierte in Zusammenarbeit mit seiner Frau, der Juristin Sigrid Gust, im März 2000 den Wortlaut der fraglichen Akten samt englischer Übersetzung sowie die einzelnen Manipulationen im Internet. Drei Jahre später veröffentlichte er im selben Portal Hunderte zusätzlicher deutscher Archivalien aus dem Archiv des Deutschen Auswärtigen Amtes. Eine Auswahl der wichtigsten Dokumente W. Gust 2005 in der Sammlung Der Völkermord an den Armeniern 1915/16: Dokumente aus dem Politischen Archiv des deutschen Auswärtigen Amtes heraus. Eine englischsprachige Ausgabe, die 2014 bei Berghahn (Oxford), erschien, machte die Quellenedition auch für die internationale Leserschaft zugänglich. Für seine publizistischen Leistungen bei der Aufarbeitung und Anerkennung des Genozids wurde Wolfgang Gust mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt, darunter der Sonderpreis des Präsidenten der Republik Armenien (2012) und der hohe Orden des Heiligen Grigor von Narek, der von der armenisch-apostolischen Kirche verliehen wird.
Wir danken Wolfgang Gust auch für seine tatkräftige Unterstützung bei der Petition um die legislative Anerkennung des osmanischen Genozids, die die Arbeitsgruppe Anerkennung -Gegen Genozid, für Völkerverständigung im April 2000 beim Petitionsausschuss des Deutschen Bundestags einreichte.
