Eine kritische Diskussion über historische Präzedenz, die Folgen von Straffreiheit und Lehren aus der Geschichte

Die Täter*innen sowie ihre Unterstützer*innen wurden nie zur Rechenschaft gezogen und die Türkei erkennt den Völkermord bis heute nicht an. Einer der Haupttäter, Innenminister Talat Bey, entzog sich der Strafverfolgung, indem er nach Deutschland floh und in Berlin Schutz fand.

Die verheerenden Massaker an den Armenier*innen inspirierten Raphael Lemkin, einen polnisch-jüdischen Juristen, in den 1940er Jahren den Begriff ‚Genozid‘ zu prägen. Seine Arbeiten erhielten durch die Vernichtung der europäischen Juden*Jüdinnen durch Nazideutschland zusätzliche Dringlichkeit und führten schließlich 1948 zur Verabschiedung der Genozidkonvention durch die UN. Diese konnte jedoch weitere Völkermorde und Verbrechen gegen die Menschlichkeit nicht verhindern – vom Biafrakrieg über Jugoslawien, Ruanda, die Rohyingya in Myanmar, die Jesiden, Sudan und Gaza.

Im September 2023 wurden die Armenier*innen erneut Opfer von Massenvertreibungen, als Aserbaidschan eine Militäroffensive gegen Artsakh (Nagorno-Karabach) startete, einer armenischen Enklave in Aserbaidschan. Daraufhin floh innerhalb einer Woche fast die gesamte armenische Bevölkerung von über 100.000 Menschen nach Armenien. Auch in Jerusalem ist die armenische Gemeinde mit gewaltsamen Angriffen jüdischer Siedler*innen konfrontiert.

Das Panel diskutiert über Muster, die diese Gräueltaten über Zeit und Geografie hinweg verbinden und über die Folgen von Leugnung und Straffreiheit. Wie bestimmen Waffenverkäufe, geopolitische Allianzen und Energieinteressen, welche Leben geschützt und welche ignoriert werden? Und welche Verpflichtungen ergeben sich für Deutschland aus historischen Verstrickungen jenseits der Anerkennung?

Teilnehmer*innen des Panels sind: Ronald G. Suny und Tessa Hofmann.

Moderation: Kristin Helberg.

 

VERANSTALTUNGSORT: Hermannstr. 86, 12051 Berlin-Neukölln (U-Bahnhof Leinestraße)

Das Podiumsgespräch erfolgt auf Englisch.